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Aktuelles

Vespa World Treffen 2025 in Gijón

Seit dem Frühjahr wurden die Hin- und Rückfahrtrouten geplant und gecheckt, die GTS fit gemacht. Die franz. Umweltplakette besorgt und auch der Helm mit den vorgeschriebenen reflektierenden Aufklebern ausgestattet. Am Tag vor der Abfahrt kam dann doch noch die hohe Scheibe ans Gefährt.

Los geht´s!Früh am Morgen dann packen und abfahren! Erster größerer Halt ist beim Flugzeugmuseum Hermeskeil und in der CONCORDE gibt es Kaffee + Kuchen.

Abfahrt
zwei Legenden

Die weitere Fahrt nach Chalons-en-Champagne verlief zunächst nach Plan, auch wenn das Auspuffgeräusch sich schon etwas erhöht hatte. Was für ein Mist war der Gedanke – hatte ich doch diese Dichtung vor kurzem erst erneuert. Die Nacht im Zelt auf dem städt. Camping-Platz war ruhig und kühl. Der Roller stand (WICHTIG!) auf dem Seitenständer, da war nichts Auffälliges zu sehen oder zu fühlen. Die weitere Fahrt sollte mich eigentlich über ca. 260 km zur Burg „Guédelon“ führen. Die wird seit einigen Jahren, ausschließlich mit Materialien und Werkzeugen aus der Zeit des 13. Jahrhunderts, komplett neu gebaut. Jedoch wurde das Auspuffgeräusch immer lauter und dann mit einem Knall, ca. 30 km vor Troyes, wurde es ohrenbetäubend. Dann leuchtete auch noch die Motor-Kontroll-Leuchte auf – das war für mich das Signal es auf Biegen und Brechen bis nach Troyes zu schaffen. In den diversen Ortsdurchfahrten hatte ich ziemlich Schiss angehalten zu werden und es war ja auch nicht klar, ob die Maschine nicht einfach ausgeht. Gelaufen ist der Motor – aber wie lange noch? Wie weit würde ich kommen?

Frankreich ist ein großes Land --- Empfehlung: bei Pannen eine große Stadt suchen!

Und endlich – Ortseinfahrt von Troyes [ausgesprochen „Troah“] – erster Kreisel, zweiter Kreisel, dritter Kreisel – Tankstelle! Anhalten - Puh – erstmal geschafft. Motor aus, Roller aufgebockt und als erstes in den Schatten gesetzt. Nach dem Abnehmen allen Gepäcks ging es zur Fehlersuche. Erst hab´ ich nichts Besonderes gesehen, es kam mir aber so vor dass, wenn ich am Auspuff wackele, sich mehr bewegt als sonst üblich. Am aufgebockt frei hängenden Hinterrad gewackelt – und dann war es klar! Die zwei M8-er- Schrauben vom Hilfsrahmen waren im Gewinde abgebrochen (Spannungs-/Vibrationsriss). Der Krümmer hatte sich während der Fahrt im Auspuffrohr verkantet und war an der Schweißnaht der Lambda-Sonde komplett abgerissen. Die Sonde schnüffelte Frischluft – das war die Ursache für das Leuchten der Motor-Leuchte. Vielleicht hätte ich das auch am Morgen sehen können (lose Schrauben?) – vielleicht, wenn die GTS nicht nur auf dem Seitenständer gestanden hätte. Mir war dann klar „Rien ne va plus", das steht französisch wörtlich für "Nichts geht mehr". Ende, aus, nix zu machen. Samstag 14:30 – Ende der Tour?

Da hängt es nun das doofe Rohr
werkbank
Auf der Werkbank

Aber Glück im Unglück. Das Hotel nur 100 m entfernt, na ja „günstig“ aber frei, eine Piaggio-Werkstatt in 1 km Entfernung. Nur leider bis Dienstag geschlossen …. mehr als genug Zeit zum Überlegen . Aufhören, Pannendienst, Zug nach Paris und dann nach Spanien, Flixbus oder wie früher über´n Daumen? Sind ja nur noch 1.250 km bis zum Ziel. Also ein echtes Touri-Wochenende in der wirklich schönen Stadt Troyes verbringen. Den Piaggio-Laden hab ich dann gleich mehrsprachig angeschrieben. Montagnachmittag kam von Laurent Bordier schon die Rückmeldung – den Roller möge ich am Dienstag vorbeibringen.

touristTouristenwochenende

Also Dienstag um 9:00 die GTS hingebracht und dann haben wir das Ding zusammen so zerlegt, dass der Krümmer ausgetauscht werden konnte. Mit Google-Übersetzter klappte auch die Verständigung untereinander. Die Lambdasonde hat sich ziemlich lange gegen den Ausbau gewehrt. Die Schraubenstümpfe mussten ausgebohrt werden und das Schwingenlager war auch nicht mehr OK. Am Mittwoch um 11 Uhr war glücklicher Weise alles fertig und um 12 Uhr konnte ich endlich weiterfahren. Alle Streckenplanungen waren natürlich dahin, es ging nun nur noch darum passend in Gijon anzukommen. Leider war das bis dahin gute, trockene Wetter nur noch am Mittwoch gut. Ab Donnerstag war ´s dann eher kühl und regnerisch. Eine kühle Nacht noch in Hendaye, 20 km vor der Grenze nach Spanien. Früh am Morgen wieder alles aufpacken, tanken, wie immer auch nach dem Öl sehen und weiter geht’s. Ich wollte ja ankommen …Wetterseitig war nun alles dabei: Sonnenschein, Regen, starker Wind, heftiges Gewitter (bei Bilbao) usw. usw. Schnee konnte auch besichtigt werden. Die Sierras – ein Gebirgszug entlang der Küste – hatte ich so gar nicht auf der Rechnung gehabt. Die fast mautfreie Autobahn lag nicht auf Meeres-höhe sondern teilweise viel höher. Somit war es nicht so sehr gemütlich im Sattel.

wetter bayonne
Wetter in Bayonne...
wetter bilbao
Wetter in Bilbao

Aber: doch noch am Freitag-Nachmittag angekommen! Was für ein Ritt – 2 Tage 1250 km. An der Festhalle war die Anmeldung schnell gemacht. Ein Campingplatz war auch schnell gefunden – ein paar bekannte Gesichter und liebe Freunde waren schnell gefunden. Nach dem Zeltaufbau ging´s auf eine Erkundungsfahrt durch die Stadt. Wie zu erwarten gab´s viel Vespa-geknatter, munteres Treiben auf der Strand-Promenade bei jetzt milden Temperaturen. Und sehr lautes Meeresrauschen. In der Nacht hörte sich die nahe Biskaya an wie ständiger Zugverkehr. Es hat etwas gedauert bis ich das Geräusch einordnen konnte. Samstagfrüh ein schönes Frühstück in der Altstadt, in der Nähe des Hafens, und danach ein Besuch der Zitadelle über der Stadt. Wir in Gießen haben ja das Elefantenklo, aber die Leute in Gijon, die haben dafür die Toilette von King Kong. Eigentlich ist das ein Kunstwerk ….

kingkongKing Kongs Toilette (li.), Hafenpromenade (re.)

durst

Die haben Durst die Spanier (li.), Auf zum Corso! (re.)

Am Nachmittag begann in der Mittagszeit die Aufstellung für den Corso – das war wieder ein Gewimmel! Ein paar tausend Vespen aller Baujahre und Typen – und die teilweise verrückten Typen die drauf saßen ;-). Wow – das ist jedesmal ein Highlight. Naja, zumindest dann, wenn es nicht drei Flugplatzrunden sind (Achtung: Insider). Eine Runde durch die sehenswerte Stadt ohne rote Ampeln für uns, an der Hafenpromenade vorbei und an der Küste entlang und dann hoch in die Berge. Dieser Tag war warm, sozusagen heiß – eine Erholung nach den letzten Tagen und Nächten der Anreise. Am Ende der Ausfahrt stand die Einkehr im Schloßbau von Gjon. Nach diversen Ehrungen und Ansprachen verstreute sich die Versammlung, es galt sich für die große Abendveranstaltung vorzubereiten.

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Universidad Laboral de Gijón – Die alte Universitätsanlage ist mit 270.000 m² das größte Gebäude in Spanien

Der Sonntagmorgen kündigt mit Regen und Sonnenschein das Wetter des Tages an. Auf dem gesamten Platz gib es reges Treiben, aufräumen packen und festzurren von Gepäck. Meine Vespa ist auch schnell aufgezäumt. Mittlerweile habe ich viel Übung; insgesamt werde ich in diesen Tagen etwas mehr als 40 Mal das Gepäck von Rücksitz herunternehmen und wieder festzurren – denn sonst kann ich ja nicht tanken.

vollgepackt
Same procedure as yesterday …

Zumindest eines der ursprünglichen Ziele wollte ich erreichen - die steinzeitliche Höhle von Altamira, südöstlich von Santander. Zu besichtigen ist freilich nur ein 1:1 Nachbau, plus einem sehr interessanten Museum.

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Höhlenmalerei
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Höhlenmalerei

Bis kurz hinter Bayonne lief es ganz gut, dann setzte die Dämmerung, mit Regen vermischt, ein. Ein Hotel am Wegesrand bot ein Bett an … Warum auch nicht - es war ja an dem Tag schon kühl genug gewesen. Und man darf ja auch mal Müde sein ;-) . Limoges war das nächste Tagesziel und auf dem Weg dorthin - Wind und Regen waren wieder ständige Begleiter - erschien ein Hinweisschild auf Oradour-sur-Glane. Es ist das bekannteste "Märtyrerdorf" in Frankreich, das durch ein Kriegsverbrechen der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und heute als Mahnmal erhalten ist. Am 10. Juni 1944 wurden dort 643 Einwohner ermordet. Es war fast die gesamte Bevölkerung, die Ruinen wurden bewusst nicht wieder aufgebaut. Hohensolms hat heute in etwa die Einwohnerzahl wie Oradour-sur-Glane seinerzeit. Man stelle sich vor …. lieber nicht. Der Besuch am Folgetag war erwartungsgemäß eher bedrückend.

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Oradur-sur-Glane
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Ruinen

Guedelon lag wieder auf der Strecke, fast hätte es geklappt – aber: geschlossen! Frankreich ist riesig – bei Überlandfahrten wird es einem immer wieder bewußt, wenn über viele Kilometer hinweg kein Haus, kein Dorf zu sehen ist. Immer wieder spannend wurde es wenn es um die Tankstellensuche ging. Das Navi zeigte zwar die Tankstellen an – aaaaaber, das heißt ja noch lange nicht, dass die Tankstelle wirklich da ist, geöffnet ist, deren Tanks voll sind und die Kassiermaschine funktioniert. Tatsächlich habe ich alle Zustände vorgefunden und so war nur das Tanken selbst schon mehr oder weniger „abenteuerlich“. Am nächsten Abend war wieder Camping angesagt; in Sezanne war es am Abend wieder richtig kalt. Richtig klasse war dort das Zusammentreffen mit 4 Traktoristen aus Trebur. Die hatten mit Trecker + Wohnwagen ihre Partnerstadt Verneuil-sur-Avre-et-d’Ito, in Nord-West-Frankreich besucht und waren nun auch auf dem Heimweg. Bei dem kalten Wind waren die auch so richtige Eiszapfen geworden. Am Abend saßen wir ein bisschen, in Decken eingehüllt, zusammen bei hessischem Bier. Diese letzte Nacht in Frankreich war leise und saukalt. Am Morgen kaum mehr als 4 oder 5 Grad – brrrrr. Warmes Wasser gab´s in der Dusche nicht, dann lieber ein bisschen stinken. Der erste Kaffee mit Frühstück war sehr schön, tat wieder gut. Das letzte natürliche Hindernis vor der deutschen Grenze sind die Ardennen, bzw. die „Argonnen“. Die Route führte mich quer durch das ehemalige Schlachtfeld. In Montfaucon-d-Argonne (Lothringen), gedenkt ein Turm der amerikanischen Offensive an Ende des 1. Weltkriegs. Die Schlacht hatte den Durchbruch der deutschen Stellungen zwischen Maas und Argonnen in Richtung Norden zum Ziel. Das begehbare Denkmal ist insgesamt knapp 60 Meter hoch und zeigt eine Freiheitsstatue. Es ist das größte amerikanische Denkmal Europas und in Form einer dorischen Säule erbaut. Von der Spitze aus hatte ich einen sehr guten Überblick über das ehemalige Schlachtfeld. Verdun ist nicht weit entfernt, das Ossuarium von Douaumont war auch gut zu sehen.

turm
Am Turm von Montfaucon-d-Argonne
angekommen
Pünktlich zum Stammtisch wieder da!

Luxemburg bot dann in der Mittagszeit eine gute Rastmöglichkeit. Was für ein Verkehr! Per Schleichfahrt wurde noch ein Zipfel von Belgien befahren, dann ab ins Moseltal, nochmal preisgünstig getankt und im ZIKA-Grenzmarkt ein paar Mitbringsel besorgt. Erstmal in Deutschland war klar – es gibt nun keinen Zwischenstop mehr. Das Zuhause ruft; so ein eigenes Bett, das ist doch was. So um 21:30 kam ich schlußendlich, passend zum Stammtisch, im Biergarten vom Männerbadeverein an.

Wow – geschafft, was für eine Sache!